Sonntag, 22. November 2009

UFC 106: Die Revolution des Sportes

In den letzten Monaten geriet die UFC immer mehr in die Kritik, dass sie aufgrund ihrer erhöhten Veranstaltungsfrequenz keine guten Cards mehr zu liefern hätte.
Ich muss gestehen, dass auch ich mich dieser Kritikerbewegung angeschlossen hatte, bis ich die beiden letzten Events verfolgte. Sie glänzten beide nicht mit großen Namen, sondern phänomenalen fights und Einzelleistungen.
UFC 106 wirkte in der Vorschau wie ein Brawler-Event, welches für Puristen uninteressant sein könnte, aber die Veranstaltung selbst bewies etwas anderes: Technisch beste fights von Kämpfern, die die Flagge des MMA meilenweit hochhalten.
Der erste Kampf des Abends sollte die Marschroute vorgeben: Phil Baroni, der Mann mit der Sonnenbrille, kämpfte in seinem Comeback gegen den Ultimate Fighter Amir Sadollah, welcher seine Karriere nach vielen Rückschlägen wieder auf einen guten Kurs bringen wollte. Die erste Runde war ein spannender Schlagabtausch, welcher die Unterschiede der Kämpfer deutlich machte. Während Baroni seine Kraft mit aggressivem Dirty Boxing verschleuderte, setzte Sadollah auf technisch einwandfreies Muay Thai. Ab der zweiten Runde war es dann nur noch Sadollah, welcher den sichtlich kaputten Baroni mit dem wohl schönsten Muay Thai, das ich je in einem MMA-Kampf gesehen hab, nach allen Regeln der Kunst außeinandernahm. Ob mit Front Kicks, Push Kicks, Leg Kicks, Flying Knees oder Elbows im Clinch: Sadollah zeigte hier, dass er in Zukunft ein ernstzunehmender Gegner in seiner Division ist. Die Tatsache, dass Baroni bis zum Ende überlebte, grenzt an ein Wunder. 4 Sterne für einen wunderbaren, aber einseitigen Kampf.
Der nächste Kampf bewies, dass nicht nur die Welterweightdivision hochtalentiert ist. Antonio Rogerio "Minotouro" Nogueira machte sein Debüt im Halbschwergewicht gegen Luiz Cane und zerstörte seinen hochdekorierten Landsmann. Rogerio zeigte das wohl beste Boxen des MMAs um sich blitzartig in die Höhen der Division zu katapultieren. Noch so ein dominanter Sieg und er kann meiner Meinung nach durchaus als Contender für den Titel angesehen werden. Watch out for that man !
Der Bodenkampf gewinnt nach kurzweiliger Rezession wieder an Bedeutung im MMA: Diese Beobachtung, welche ich bereits bei UFC 105 traf, bestätigte sich im nächsten Kampf erneut. Paulo Thiago und Jacob "Christmas" Volkmann lieferten sich einen der offensten und abwechslungsreichsten Bodenkämpfe der MMA-Geschichte, in dem Paulo Thiago dann aufgrund des besseren Strikings klar den Vorteil hatte. Der Bodenkampf hat hier also nichts entschieden, aber die Werbung für eben diesen Kampfort war dafür umso stärker.
Der nächste Kampf ist die Geschichte eines toughen fighters, wie er im Buche steht. Josh Koscheck musste gegen den riesigen Weltergewichtler Anthony "Rumble" Johnson antreten. Nach einem illegalen Knie sah es so aus, als würde Koscheck wegen einer Augenverletzung gestoppt werden müssen. Ich hatte den No-Contest schon fest geplant, als Koscheck sagte, er wolle weitermachen. Ich dachte mir nur : "Junge, du bist Kaputt, lass dich nicht sinnlos zusammenschlagen!", aber Koscheck kam zurück und begann, nun endlich sein Weltklasseringen einzusetzen, um Johnson konstant unter Druck zu setzen und ihn schließlich mit einem Bilderbuch- Rear Naked Choke außer Gefecht zu setzen. Hut ab vor dieser Leistung!
Nach dem Kampf sprach Koscheck außerdem eine offene challenge an den number one Contender Dan Hardy aus, doch erst gegen ihn zu kämpfen, bevor er mit GSP in den Ring steigt. Ich denke, dass Koscheck allemal ein besserer Contender als Hardy ist, der mir immer noch keine Leistung zeigte, welche ich als überdurchschnittlich ansehen würde.
Das Main Event zeigte uns nun zum Abschluss einen Forrest Griffin, der wie der Phönix aus der Asche wiederauferstanden ist. Nach seiner Niederlage gegen Silva dachte wohl jeder außer Forrest selbst an dessen Karriereende, wenn man bedenkt, wie blamabel die Niederlage ausfiel. Forrest jedoch besiegte mit seiner Technik den "Huntington Beach Bad Boy" Tito Ortiz. Dieser brachte ihn zwischenzeitlich in arge Schwierigkeiten, die Takedowns saßen und das Ground-and-Pound begann, Wirkung zu zeigen, als Griffin mit einem schönen Sweep die Kontrolle erneut an sich riss. Runde 3 war ein Zeugnis für Griffin, der Ortiz einfach nur zusammenschlug. Ich bin ehrlich gesagt etwas böse, dass er den Kampf nicht beenden konnte, da ich auf eben dieses gewettet hatte, aber bin mit der Split Decision sehr zufrieden, obwohl ich mir nicht sicher bin, warum ein Kampfrichter alle Runden an Griffin gab.

Fazit dieses wundervollen Events: Mit Josh Koscheck, Rogerio Nogueira und Amir Sadollah haben wir 3 der steilsten Aufstiege in der Rangliste erlebt und außerdem gesehen, wie schnell man sich von der härtesten Niederlage im MMA-Sport erholen kann. Die UFC ist die Toporganisation im Business und im Moment über jegliche Kritik bezüglich ihrer Matchcards erhaben!

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